Grenzweg Stadtgebiet Arnsberg

Fünfzig Jahre nach der kommunalen Neugliederung der Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen laden die Künstlerin Theresa Kampmeier und das Kulturbüro Arnsberg entlang der Stadtgrenzen Arnsbergs zur kommunalen Meditation ein. Das heißt Wandern oder Mountainbiken um das Stadtgebiet, wie es seit fünfzig Jahren besteht: von Voßwinkel bis Oeventrop. Nicht immer auf der Grenze, aber an der Grenze entlang.

Auf dieser Seite sind alle Inhalte des Projekts verfügbar.
Die Etappen 0 bis 9 der Wanderroute werden untereinander aufgelistet.
Unter jeder Etappe werden die Inhalte chronologisch aufgeführt, die von der Künstlerin auf der App Komoot auf der Strecke auch als Highlights hinterlegt sind. Das sind Bilder und Texte.

Kommunale Meditation

Die Künstlerin erklärt zum Grenzweg: „Ich nehme diese Wanderung als Anlass, um über Grenzen nachzudenken. Grenzen in unserer unmittelbaren Nähe, Grenze – an sich – als Begriff, aber auch Grenzen in der Ferne, abstrakte Grenzen, Grenzen für die wir verantwortlich sind, Grenzen, die uns betreffen. Grenzen in unseren Köpfen und Grenzen unseres Verständnisses.”

Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.

Digitales Forum in der Landschaft

Die Wanderung lädt dazu ein, sich bei der Bewegung durch den Raum damit auseinander zu setzen, wie sich die 1975er Reform in wahrgenommenen, strukturell konstruierten und physischen Grenzen realisiert und sich sowohl auf den Naturraum als auch auf menschliche Gemeinschaften auswirkt. Fragen von Trennung und Zugehörigkeit sind am eigenen Leib erfahrbar. Wandernde können außerdem selbst Orte auf der Karte kennzeichnen und Bilder dazu hochladen. Der Prozess der Auseinandersetzung bleibt dadurch auch nach der Erforschung durch die Künstlerin lebendig.

Praktische Informationen zur Route

Wander-Apps: Die Route ist in der Handy-App Komoot und für die Profis auch als GPX-Datei abrufbar. Die einzelnen Etappen sind an die individuellen Bedürfnisse anpassbar. Zusätzlich zur Route kann in Komoot auch einen ganzen Schwung Highlights auf der Strecke entdeckt werden. Darin gibt es Informationen zur kommunalen Neugliederung des Stadtgebiets, Fotografien und Anstöße zum Nachdenken.

An- und Abreise: Alle Start- und Endpunkte sind Orte, an denen in der Regel gut angehalten und geparkt werden kann. In der Nähe vieler dieser Punkte befinden sich auch Bushaltestellen.

Mobilfunkempfang: Die Route verläuft häufig im Wald. Nicht überall ist Empfang. Am besten die Karten und Inhalte vor der Wanderung herunterladen, damit sie auch offline verfügbar sind.

Etappe 0 – Von Oeventrop bis Voßwinkel im Ruhrtal (35,7/34,4 km)

Etappe 0 zu Fuß auf Komoot
Etappe 0 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Aus großen Teilen der Kreise Arnsberg, Meschede und Brilon wurde 1975 der Hochsauerlandkreis. Es wurden die bis dahin selbstständigen Städte Neheim-Hüsten und Arnsberg sowie zwölf Umlandgemeinden Bachum, Breitenbruch, Bruchhausen, Herdringen, Holzen, Müschede, Niedereimer, Oeventrop, Rumbeck, Uentrop, Voßwinkel und Wennigloh zu einer neuen Stadt unter dem Namen Arnsberg zusammengeschlossen – „von Voßwinkel bis Oeventrop,” wie es hieß. Das neue, große Stadtgebiet trägt auch den Namen Arnsberg und ist das, was wir jetzt als solches kennen. Es umfasst ungefähr ein Drittel des ursprünglichen Kreis Arnsberg, zu dem auch Balve, Sundern und Warstein mit den umliegenden kleineren Ortschaften gehört hatten. Sundern wurde ein eigenes Stadtgebiet und blieb im HSK. Die Stadt Warstein wurde Teil des Kreis Soest. Die Stadt Balve wurde Teil des Märkischen Kreises. Die eigentlichen, offiziellen Grenzen jeder einzelnen Ortschaft in den neuen Zusammenschlüssen scheinen bestehen geblieben zu sein, wie sie waren.


Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Alles im Blick: Wohnen, Industrie und Freizeit

Das Entwicklungskonzept von 1973 für ein Entwicklungsgebiet 1. Ordnung entlang der Ruhr sollte Arnsberg und Neheim-Hüsten verbinden. Es entspricht – abgesehen von dem Autobahnverlauf – in der Aufteilung von Industrie-, Wohn- und Freizeitbereichen ungefähr schon dem, wie es heute in unserem Stadtgebiet aussieht. Während der Planungsstab das Konzept erarbeitete, war aber noch lange nicht klar, ob das neue Stadtgebiet wirklich so aussehen würde. Die große politische Streitfrage war, ob Arnsberg und Neheim-Hüsten zu einem vereinten, kontinuierlichen Zentrum werden könnten (oder wollten).

„Entwicklungskonzept für den Entwicklungsschwerpunkt 1. Ordnung Neheim-Hüsten – Arnsberg zusammengestellt vom Planungsstab im Februar 1973” in: HSK 003 (Kommunale Neugliederung), 003 6/2021, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Nach der großen Schlacht

Diese Karikatur fasst Akteure und Befindlichkeiten der kommunalen Neugliederung im Sauerland pünktlich zum Inkrafttreten der neuen Ordnung am 1. Januar 1975 zusammen. In der neuen Stadt waren sich Arnsberg und Neheim-Hüsten mit ihren zugehörigen Gemeinden noch nicht recht geheuer. Viele Mitarbeitende der ehemaligen Verwaltungen verloren ihre Arbeitsplätze, denn die Neugliederung machte den Verwaltungsapparat schlanker. Meschede gewann den Kreissitz und Dr. Adalbert Müllmann hatte seine Vision des HSK durchgesetzt. Dass diese Karikatur zu diesem Datum unter dem Titel „Nach der großen Schlacht im Sauerland” gedruckt wurde, drückte aber auch aus, dass die jahrelangen Kämpfe nun vorbei waren und man sich in der neuen Realität aufrappeln musste.

Rudolf Schöpper: Nach der Schlacht im Sauerland, Karikatur, Westfalenpost Silvesterausgabe 1974/1975



Was uns ärgert

Was uns 1973 ärgerte, hallt auch heute immer noch nach.

Die Neugliederung der Kommunen und Kreise war eine große Verunsicherung. Die öffentliche Debatte war besonders 1973 extrem angeheizt. In einem Beitrag des Heimatbundes in der Westfalenpost vom 30.10.1973 hieß es beispielsweise: „Heimatbund spricht für die schweigende Mehrheit: Ökonomische Werte haben bei Reform nicht unbedingt Vorrang (…) Die alten Grenzen haben 150 Jahre und länger Bestand gehabt, die neuen Grenzen sollten, so meinen wir, wenigstens das Jahr 2000 überdauern. (…) Sauerland darf als Ganzes keinen Schaden nehmen!” Die neue Grenzziehung stellte Gefühle von Zugehörigkeit in Frage, indem sie Orte trennte, die bisher zusammen gehört hatten, und andere neu zusammenbrachte, die sich bisher als getrennt verstanden hatten, auch wenn sie benachbart waren.

Fridibald: Was uns ärgert, Karikatur, Westfälische Rundschau vom 17.02.1973



Ruhrtal

In Arnsberg ist alles im Fluß.
Fast hätte die neue Stadt Ruhrtal geheißen.



Reflektion

Auch wenn wir ein Bild davon haben, was und wer bei den Entscheidungen zur kommunalen Neugliederung in der Region eine Rolle gespielt hat, ist das Bild nicht überall scharf. Selbst dort, wo es scharf ist, bleibt es eine Reflektion.




Etappe 1 – Von Haus Füchten nach Moosfelde (7,82/8,17 km)

Etappe 1 zu Fuß auf Komoot
Etappe 1 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Vom Flugplatz Arnsberg-Menden auf dem Bergrücken zwischen Voßwinkel und Echthausen auf der anderen Seite der Ruhr Richtung Norden verläuft heute die Grenze des Stadtgebiets Arnsberg hinunter ins Ruhrtal, folgt der Ruhr entlang der Wiesen in einem großen Bogen und folgt dann unterhalb der Kapelle in etwa der Autobahn in Richtung Neheim. Auf Höhe des Klärwerks zieht die Stadtgrenze links von uns im Brückensiepen hoch, springt über die Landstraße in den Höinger Bach und landet im Tal der Möhne bei Moosfelde. Die Grenze des Stadtgebiets Arnsberg entspricht vom Ruhrtal bis in den Arnsberger Wald in ihrem Verlauf auch der ehemaligen Kreisgrenze von Arnsberg vor der kommunalen Neugliederung 1975. Die Kreisgrenze verlief allerdings nicht zwischen Echthausen und Voßwinkel, sondern folgte der Ruhrschleife an Haus Füchten vorbei bis Wickede.

Vielleicht wissen ja die Locals und Ortsheimatspfleger*innen mehr über die Entstehung der historischen Grenzen?



Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Bund der Ehe

Der Neheim-Hüstener Stadtdirektor hatte schon im April 1973 darauf hingewiesen, dass es bei der Neugliederung nicht zu einer „hinderlichen Konkurrenzsituation” durch die Trennung der beiden Städte kommen dürfe, und machte eine Plädoyer für den Zusammenschluß von Arnsberg und Neheim-Hüsten, um die Planungen aus einer vereinten Regierung und Verwaltung heraus zu machen. Er schrieb: „Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass freiwillige Formen der kommunalen Zusammenarbeit zu schwerfällig sind, um zu positiven Ergebnissen zu führen. (…) Die Städte Neheim-Hüsten und Arnsberg sollten auch ihre Verantwortung für die gesamte Region des oberen Sauerlandes sehen.” Neheim-Hüsten stimmte der Planung des Zusammenschlusses schon früh zu. Die Stadt Arnsberg hingegen wehrte sich vehement dagegen.

Beim Anhörungstermin der Gemeinden und Kreise vor dem Land im Juni 1973, zu dem sie sich zu den Neugliederungsplänen äußern sollten, stellte sich der Konflikt so dar: „Arnsbergs Bürgermeister Rupp erläuterte die Vorstellungen seiner Fraktion [CDU]. Er erklärte dabei u.a., dass zwischen Arnsberg und Neheim-Hüsten spezifische Unterschiede beständen, die auch daran zu erkennen wären, dass in Arnsberg die deutschstämmige Bevölkerung und in Neheim-Hüsten der ausländische Bevölkerungsanteil besondere Akzente setzten.” So artikulierten sich gewisse klassistische und rassistische Dünkel in der Arnsberger Gesellschaft, denn Neheim-Hüsten war zu diesem Zeitpunkt viel mehr eine Arbeiterstadt als das altehrwürdige Arnsberg. Der Bürgermeister fuhr fort, es gäbe keine Beziehungen zwischen den beiden Städten und man würde „eine kleinere Lösung vorziehen” als Voßwinkel bis Freienohl. Darauf antwortete der Ministerialrat Köstering, er „habe vielmehr den Eindruck, als wolle die Stadt Arnsberg nur ein wenig mehr in die Mitte rücken.” Die Arnsberger SPD-Fraktion war hingegen voll dafür, ein Stadtgebiet mit Neheim-Hüsten zu bilden.

Bei der Anhörung hatten die Städte und Gemeinden jeweils fünf Minuten für ihre Reden, ohne Zeit für Fragen oder Diskussionen. Das Land erwartete, dass Gemeinden sich einstimmig für einen Planungsentwurf aussprachen. Diese Lösungen würden bei der Neugliederung präferiert. Zu Beginn des Prozesses wurden dazu auch Willenserklärungen eingeholt mit Vorschlagen der Kreise selbst, wie sie sich neu zusammenschließen würden. Wer sich nicht einigen konnte, denen wurde von der Landesregierung ein Neugliederungsplan aufgezwängt. Es war also enorm wichtig, dass sich alle Gemeinden auf einen Entwurf einigten. Zuletzt einigte man sich auf das neue Stadtgebiet von Voßwinkel bis Oeventrop.

Quellen: „Stellungsnahme der Stadtverwaltung Neheim-Hüsten zur gemeindlichen Neugliederung im Entwicklungsschwerpunkt 1. Ordnung Neheim-Hüsten/Arnsberg” vom 12.04.1973, S.11, in: HSK 003 (Kommunale Neugliederung), 003 6/2021, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.
„Niederschrift über den Anhörungstermin der Gemeinden und Kreise im Neugliederungsraum Sauerland am 15.6.1973 in der Stadthalle zu Schmallenberg (Entwurf)” in: HSK 003 (Kommunale Neugliederung), 003 0351, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.


Karikatur, Westfälische Rundschau 31.12.1974



Status quo

Was normal für uns ist und was nicht, hat alles damit zu tun, wie wir uns bilden, welche Werte wir pflegen, was wir gesellschaftlich akzeptieren, wie in der Gesellschaft über Dinge gesprochen wird, wie wir selbst über sie sprechen und über sie nachdenken. Wie tolerant oder eng unsere subjektive Normalität ist, hängt stark von der Vielfalt und Nuanciertheit unserer Bildung ab. Nicht zuletzt muss man manchmal etwas am eigenen Leib erfahren, um wirklich zu verstehen, worum es geht. Was wir als unseren Status quo etabliert haben, können wir scharf sehen. Was unter dieser Oberfläche bleibt, davon hat unser Verstand womöglich keinen Begriff.



Etappe 2 – Von Moosfelde nach Breitenbruch (10,6/10,6 km)

Etappe 2 zu Fuß auf Komoot
Etappe 2 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

An dieser Stelle läuft die neue Stadtgrenze dort, wo auch die alte Kreisgrenze war. Sie läuft hier Richtung Westen mit dem Hohenweg zusammen. Richtung Osten hört der Weg auf der Grenze abrupt auf. Die Grenze überquert dann die B229 und folgt dem Bach kleine Schmalenau entlang der Forststraße Richtung Neuhaus. Die alte Kreisgrenze machte hier einen kleinen, scharfen Abstecher.

Wir durchqueren stattdessen Breitenbruch, das südlich der Stadtgrenze liegt.




Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Großstadt Arnsberg

Als die Debatte um den Zusammenschluß der Städte Arnsberg und Neheim-Hüsten bereits ein Jahr lang heißgelaufen war, hielt Oberkreisdirektor Dr. Cronau im Juni 1973 vor dem Dezernentenstammtisch in Arnsberg eine Rede zur kommunalen Neugliederung. Darin machte er seine Haltung zum Machtanspruch Arnsbergs über die Gebiete und Ressourcen Neheim-Hüstens klar.

In Dr. Cronaus Rede lautet es wie folgt:
„Und jetzt, meine Damen und Herren, jetzt kommt das völlig Überraschende: Jetzt nämlich, zum jetzigen Augenblick wäre der große Wurf möglich! Nämlich, die Stadt Arnsberg um Neheim-Hüsten zu erweitern. – Großer Beifall –
Meine sehr verehrten Dame und Herren, dadurch würden 3 Möglichkeiten eröffnet:
1. Das Stadtgebiet würde erweitert und die Machtposition einer solchen Stadt Arnsberg würde natürlich erheblich gestärkt werden.
2. Der Stadtwald Neheim, der seinerzeit aus einer Gönnerlaune eines Arnsberger Grafen den Neheimern geschenkt wurde, könnte jetzt wieder zurückgewonnen werden. – Lachen –
Ja, und 3. könnten die durch Beamte etwas verwöhnten Arnsberger Bürger in Neheim-Hüsten wieder an Arbeit gewöhnt werden. – Lautes Lachen –
Des weiteren: „Ja, Arnsberg wird ja nun gemeinhin „Perle des Sauerlandes” genannt. Sicherlich, das muß ich allen zugeben, die hier berechtigt Kritik üben würden. Diese Perle wird mit Sicherheit nicht schöner durch das Hinzukommen von Neheim-Hüsten, aber, und das ist ja das Entscheidende: Sie wird wertvoller! – Beifall –„

Sprach der Oberkreisdirektor wohl im Sinne vieler Arnsberger?

Quelle: Rede des Oberkreisdirektors Dr. Cronau beim Dezernentenstammtisch am 6. Juni 1973, S.4, Arnsberg A619, Stadtarchiv Arnsberg


Ausschnitt aus Rudolf Schöpper: Nach der Schlacht im Sauerland, Karikatur, Westfalenpost Silvesterausgabe 1974/1975



Blumen, Blumen, Blumen

Blumen, Blumen, Blumen. Blumen sind eine Kontaktstelle zwischen den Spezies. Ich würde glatt sagen, Blumen sind mit das Wichtigste im Leben, zusammen mit Mitochondrien! Sie helfen uns lebendigen Wesen, Grenzen zu überschreiten. Man denke nur daran, wie hilfreich es für die soziale Harmonie sein kann, sie zu verschenken! Obwohl das Jobcenter sie wahrscheinlich nicht annehmen darf. Besser Blumen pflanzen und mit anderen Spezies Frieden machen.





Fürsorge

In den letzten Jahren haben wir viel verloren; Böden; Bäume, die verdorren; ganze Berghänge, die absterben; Wasserläufe und Pilznetzwerke, die unterbrochen werden, weil sie austrocknen oder schwere Maschinen drüber fahren. Unsere Macht über unser Land scheint absolut und doch bröckelt es uns durch die Finger. Wir leben auf dem Land, aber nicht mit ihm.

Etappe 3 – Von Breitenbruch zum Lattenberg (11,3/11,8 km)

Etappe 3 zu Fuß auf Komoot
Etappe 3 mit dem Mountainbike auf Komoot

Ursprüngliche Grenze des Kreises Arnsberg

Wo heute die Grenze der Stadt Arnsberg einfach weiter dem Bachlauf Richtung Süden folgt, machte die Kreisgrenze bis 1975 einen großen Abstecher, denn die Stadt Warstein mit den umliegenden Orten gehörte zum Kreis Arnsberg. Heute gehört Warstein zum Kreis Soest.



Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Hier fließen die Grenzen im Bach

Im Bach fließt die Grenze, verläuft sich, fließt einfach weg.

Praktisch, wenn Grenzen in den Flüssen und Bachläufen sind, denn dort muss man sich bei der Grenzziehung nicht um Land streiten. Noch mehr: für Menschen sind sie natürliche Grenzen.

Wie lange gibt es diese Grenzen wohl schon, die durch Bäche laufen?


Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Lebensbäume

Vor 150 Jahren hier noch fremd, ist der duftende Lebensbaum in diesem Waldstück heute weit verbreitet. Nun ist es nicht ganz passend, menschliche Begriffe wie heimisch und fremd auf Ökosysteme eins zu eins zu übertragen. Nehmen wir sie als rein poetischen Denkanstoß, der uns auf unseren Wanderungen begegnet. Was macht uns zugehörig?



Durch die Haut

Rinde, Krautschicht, Haut, Zellwände – sie sind da und schützen, was von ihnen umschlossen wird; sie trennen, aber sind nicht absolut. Die Grenzen sind da, aber nur so lange, wie es gut ist. Das Lebendige ist auf allen Ebenen durchlässig und kontinuierlich. Was ist wirklich zerstörerisch im Ökosystem?




Wanderzeichen

Auch wenn wir uns geografisch und organisatorisch in Einheiten und Größenordnungen geteilt haben, so sind wir doch verknüpft und in Kontakt. Entlang einschlägiger Wege und in beide Richtungen.




Bitte nicht stören

Wo es schön abgesteckt und reguliert ist, sind wir dran gewöhnt, wie alles funktionieren soll. Da stört es ganz schön, wenn nicht alles so läuft, wie es vorherbestimmt ist. Trotzdem scheint es eher an der Regel zu sein, dass sich Dinge verändern. Auf der eingehegten Versuchsfläche im Wald werden ganz bestimmte (riesige!) Akteure der Veränderung ausgeschlossen – auf die Einmischung anderer Wesen, von Wetter und Wind, zählt der Forstbetrieb.

Besonders in der Verwaltung merken wir, wenn etwas nicht „in Ordnung” ist, denn Verwaltung basiert auf Ordnungsprinzipien. Ist es nicht im echten, unwägsamen, unbändigen Leben leichter, mit weniger Erwartungen zu leben und sich stattdessen zu freuen, wenn etwas klappt?





Zusammenhalt

Statt uns zu trennen und trennen zu lassen… Was bringt Gemeinschaften zusammen? Was bringt uns Zusammenhalt?



Etappe 4 – Vom Lattenberg nach Oeventrop (10,8/10,7 km)

Etappe 4 zu Fuß auf Komoot
Etappe 4 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Vom Lattenberg aus verläuft die Arnsberger Stadtgrenze im Bachlauf des Schwalbenhohlsiepens ins Tal zum Rittergut Wildshausen – von hier aus gesehen auf der anderen Seite, direkt unterhalb der Landstraße. Auch die ehemalige Kreisgrenze verlief hier entlang. Die Wege auf der anderen Talseite sind aktuell gesperrt, da sie vom Abrutsch des alten Deponiegeländes bedroht sind.

Von hier aus gibt es einen Ausblick auf Freienohl und das obere Sauerland, die außerhalb der Stadtgrenzen Arnsbergs liegen.

Eine Grenze hat immer zwei Seiten. Da, wo für uns als Menschen aus Arnsberg unser Stadtgebiet aufhört, fängt ein anderes an.

Kannst Du sie auf dem Boden sehen? Spürst Du sie in der Luft, wenn Du sie überquerst?



Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Ressourcen

Es gibt Dinge, die können wir mit dem Land ausmachen. Klar, in den Tälern sind die ganzen Ortschaften, Infrastruktur, Felder, aber auf den Bergen ist Wald. Man kann am Land erkennen, wie wichtig der Wald für die Entscheidung des Zusammenschlusses von Arnsberg und Neheim-Hüsten war – und zwar einzig in einer Funktion.

Der Oberkreisdirektor des Kreises Arnsberg Anfang der 1970er Jahre, Dr. Cronau sagte in einer Rede ganz unverblümt, dass der Vorteil vom Zusammenschluss mit Neheim-Hüsten wäre, dass man den ganzen Wald bekäme, den Graf Gottfried Neheim gegeben hatte. Es ging ums Kapital. An sich hat sich an den Besitzverhältnissen im Wald seitdem vielleicht nicht so viel geändert, auch wenn die Verwaltungsgrenzen jetzt anders verlaufen als vor der kommunalen Neugliederung in 1975. Wem hier welches Flurstück gehört, das hat mit der Grenzneuziehung der kommunalen Einheiten gar nicht so viel zu tun gehabt. So parzellieren die Besitzverhältnisse das Land.

Wie wirkt sich unser Besitzanspruch auf das Land aus?

Quelle: Rede des Oberkreisdirektors Dr. Cronau beim Dezernentenstammtisch am 6. Juni 1973, S.4, Arnsberg A619, Stadtarchiv Arnsberg




Stumme Grenzmarker: Windmühlen

Als Orientierungspunkte im Stadtgebiet stehen in mehreren Richtungen an den Stadtgrenzen Windturbinen. Von hier aus sind die nächsten auf der Hellefelder Höhe zu sehen. Etwas weiter entfernt stehen Windräder hinter Müschede und Kirchlinde, an der Stadt- und Kreisgrenze zum Märkischen Kreis. Auch Richtung Möhne im Arnsberger Wald wird ein Windpark gebaut, der entlang der Stadtgrenze verläuft. Als Orientierungspunkte wachen die Mühlen über die Höhen.





Wie wir zusammenleben

Ich nehme diese Wanderung als Anlass, darüber nachzudenken, wie wir zusammenleben.

Zusammen in Gemeinden aller Größenordnungen, geregelt durch soziale und politische Verträge. Über die ethischen Grundlagen unserer Zusammenlebensweisen. Unser Zusammenleben mit nicht-menschlichen Gemeinschaften. Und auch unser Nicht-Zusammen-Leben. Unser Leben, das dem anderer entgegensteht. Auch wenn wir in Wirklichkeit trotzdem mit allem Lebendigen zusammen leben.


Etappe 5 – Von Oeventrop zum Ochsenkopf (10,7/10,8 km)

Etappe 5 zu Fuß auf Komoot
Etappe 5 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Auf dem Ochsenkopf verläuft die Stadtgrenze nahezu identisch mit dem Weg. Auf der Hubertushöhe trennt sie sich gen Osten. Stell Dir von hier aus eine Linie bis zum Windpark über Oeventrop vor.

Die ehemalige Kreisgrenze ging gar nicht über die Hellefelder Höhe oder den Ochsenkopf, denn Sundern und Balve waren ja Teil des Kreisgebiets.





Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Grenzziehung zwischen Oeventrop und Freienohl

In der Sitzung des Ausschusses für kommunale Neugliederung im Kreis Arnsberg vom 06.04.1968 sprach man sich zunächst gegen einen Zusammenschluß von Oeventrop und Freienohl aus. In der Sitzung vom 21.03.1973 wurde dann eingehender über Oeventrop debattiert: Die Gemeinde selbst wollte zu Arnsberg gehören, aber der Ausschuss hatte Sorge, dass dann Freienohl nach Meschede gehen würde. Bis dato hatte Freienohl zum Kreis Arnsberg gehört. Bis zuletzt wurde am 06.06.1973 noch für und gegen einen Zusammenschluß von Oeventrop und Freienohl argumentiert. In ersten Landesentwürfen hatte man empfohlen, Oeventrop und Freienohl zu einer neuen Stadt Arnsberg anzuschließen.

Oberkreisdirektor Dr. Cronau hatte sich in seinem Neugliederungsvorschlag vom 02.05.1973 entschieden dagegen ausgesprochen: „Dem Vorschlag, eine Gemeinde von Voßwinkel bis Freienohl zu bilden, kann aus folgenden Gründen nicht entsprochen werden:
1. Zwischen Arnsberg und seiner östlich angrenzenden Gemeinde Rumbeck einerseits und den Gemeinden Oeventrop und Freienohl andererseits besteht kein baulicher Zusammenhang. (…) wird ein solcher auch in Zukunft nicht zustandekommen können.
2. Die künftige Stadt Arnsberg mit einer Einwohnerzahl von rd. 75.000 und einer Flächengröße von rd. 166 qkm kann die ihr als Entwicklungsschwerpunkt 1. Ordnung gestellten Aufgaben auch ohne den gemeindlichen Zusammenschluß mit den Gemeinden Oeventrop und Freienohl erfüllen.”

In seinem Schreiben vom 07.05.1973 legte hingegen der Arnsberger Stadtdirektor Dr. Herbold dem Landesplaner nahe, Arnsberg habe keinen Platz mehr, sich weiter in Richtung Neheim-Hüsten, stattdessen aber schon Platz, um sich in Richtung Oeventrop und Freienohl zu entwickeln. Er betonte auch, dass Oeventrop „eindeutig und vollständig nach Arnsberg orientiert sei”, nicht nach Freienohl.

In der Rundreise mit dem Land NRW durch das Gebiet am 30.05.1973 sagten die Freienohler Vertreter, sie wollten mit Oeventrop zusammenbleiben, weil sie sonst alleine zu Meschede müssten und dann auch nicht die Vorteile eines Entwicklungsgebiets beanspruchen könnten. Bei der späteren Anhörung aller Gemeinden und Kreise vor dem Land am 15.06.1973 widersprachen sich die Oeventroper Gemeindevertreter. Der eine sagte, es bestünden mehr Beziehungen zu Arnsberg, der andere dasselbe über Freienohl. Der Freienohler Bürgermeister zeigte enge Beziehungen zu Oeventrop auf und „meinte, die Stadt Arnsberg wolle durch die Beibehaltung der beiden Städte Arnsberg und Neheim-Hüsten die Bildung einer A-Gemeinde verhindern, um ein Gegengewicht zu Neheim-Hüsten zu schaffen. Da die Bebauung der beiden Gemeinden [Oeventrop und Freienohl] heute schon ineinander übergehe, sehe er jede Grenzziehung in den beiden Gemeinden als einen nicht wieder gutzumachenden Fehler an.” Die Stadt Meschede derweil erhob selbst auch „Ansprüche auf die Gemeinde Freienohl”.

Die Frage von Oeventrop und Freienohl wurde auch ein großes Streitthema in der Bevölkerung der Orte. Schließlich fragte die Landesregierung bei Arnsberg nach, ob illegitime Versprechungen an Oeventrop gemacht worden waren, um sie dazu zu bewegen, sich zu Arnsberg zu orientieren, da dies Teil der Arnsberger Argumentation gegen den Zusammenschluß mit Neheim-Hüsten war. Im Juli 1973 erklärte Stadtdirektor Herbold an Landrat Füllgräbe, dass „in keinem Falle den Vertretern von Gemeinden, mit denen die Stadt Arnsberg Neugliederungsgespräche geführt hat, irgendwelche Versprechungen gemacht worden sind.” Und: „Der Sinneswandel in der Gemeinde Oeventrop ist nicht durch das Verhandeln, Auftreten und Versprechen der Stadt Arnsberg verursacht worden. Dieser Sinneswandel geht eindeutig auf Unstimmigkeiten zwischen beiden Gemeinden [Oeventrop und Freienohl], insbesondere in der Schulfrage, zurück.”

Das Thema lief weiter heiß. Einige Überschriften aus der Presse in der zweiten Jahreshälfte von 1973:
„CDU Arnsberg lädt Freienohl in die „große Stadt” ein: Auch CDU-Kreistagsfraktion gegen Abwandern nach Meschede” WP 11.08.1973
„RP [Regierungspräsident] für Bildung einer Stadt von Voßwinkel bis nach Oeventrop” WP 08.10.1973
„Oeventrop verbittet sich Einmischung von draußen” WR 11.10.1973
„Gemeinde Freienohl will sich gegen „modernes Raubrittertum” mit Energie zur Wehr setzen! Empörung über Zuordnung zu Meschede ohne das Industriegebiet” WP 15.12.1973
„„Unser Gebiet soll nicht zerstückelt werden”” HZ 14.12.1973
„Freienohl und Grevenstein wollen ihren Feldzug für eine A-Gemeinde fortsetzen” WR 18.12.1973
„OKD stellte sich in Freienohl den Fragen der wütenden Bürger” WR 20.12.1973

Nicht zuletzt entfachte der neue Grenzvorschlag zur Neugliederung einen weiteren Skandal. Ende 1973 wurde klar, dass die neue Stadt Arnsberg Freienohl sein Industriegebiet abknipsen wollte. Die Gemeinde Freienohl ging auf die Barrikaden gegen dieses „Raubrittertum”. Heute gehört das Industriegebiet weiterhin zu Freienohl.

Quellen: KrAR 000 (Kreistag und Ausschüsse), 000 0224, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises
HSK 003 (Kommunale Neugliederung), 003 0351, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises
Vorschlag des Oberkreisdirektors als Untere Staatliche Verwaltungsbehörde zur Neugliederung der Gemeinden im Kreis Arnsberg, 2. Mai 1973, Ab34, Stadtarchiv Arnsberg




„Gemeinde Freienohl will sich gegen „modernes Raubrittertum” mit Energie zur Wehr setzen! in: Westfalenpost vom 15.12.1973
Karte zu Gemeindegrenzen Freienohls mit Artikel, in: Westfalenpost vom 22.12.1973
Bild und Text in: Westfalenpost vom 01.01.1974
alle in: Blick in die Presse, 3. Ausgabe zur Kommunalen Neugliederung, Stand 30.03.1974, Mj3a, Stadtarchiv Arnsberg



Nähe und Distanz, Peripherie und Zentrum

Mit der super schnellen Infrastruktur, Internet und Telekommunikation heute sind Nähe und Distanz nicht mehr das, was sie mal bezeichnet haben. Es kann jetzt schneller sein, nach Mallorca zu fliegen, als vom einen Ende des Sauerlands zum anderen zu fahren. Auch durch unsere digitale Technologie sind wir vielleicht Menschen viel näher, die nicht in unserer Nähe wohnen, haben aber mit unseren Nachbarn kaum zu tun. Genauso mit diesen großen Einkaufszentren in der Peripherie, die die Stadtzentren leeren: da besteht der Unterschied zwischen Peripherie und Zentrum nicht mehr so, wie er in den 60ern und 70ern existiert hat. Der ländliche Raum ist in vielen Teilen urbanisiert.

Seit 1975 hat sich viel geändert. War diese Entwicklung der Stadtplanung des Landes schon bewusst, als die Ziele für die kommunale Neugliederung definiert wurden? Sicherlich hatten viele Leute zu dieser Zeit schon ein Auto, es gab Züge und es war ganz normal, dass man auf gewisse Weise mobil war, aber bestimmt nicht wie heute.



Blick auf Sundern

Von hier gibt es einen Ausblick nach Sundern, das hinter der Stadtgrenze Arnsbergs beginnt. Hinter der Grenze ist aus umgekehrter Sicht auch vor der Grenze. Aus Sunderner Sicht blickt man von hier ins Herzland des eigenen Stadtgebiets. So geht es immer weiter, auch dort, bis wohin wir nicht schauen können.



Gedenkstein an innerdeutsche Grenzen

Die Stele auf der Stadtgrenze zwischen Arnsberg und Sundern gedenkt der schwer bewachten Grenze zwischen DDR und BRD und deren Aufhebung, als die DDR in die BRD überging. Während auf der Vorderseite das Siegel der BRD unter den Worten „Deutsche Einheit” eingemeißelt ist, finden sich auf der Rückseite eingeritzt in den Stein Wachturm und Stacheldraht mit den Worten „13. August 1961, Geduldig in der Bedrängnis”. Auch auf den Seiten befinden sich Inschriften: „Beharrlich im Gebet (Röm 12,12), 9. November 1989” und „Fröhlich in der Hoffnung, Oktober 1990”.






Grenzpunkt

Stell Dir vor, Du wärst beim Grenzschutz der Stadt Arnsberg. Was würde es heißen, zu patrouillieren? Niemanden rein zu lassen. Niemanden raus zu lassen. Wie fühlst Du Dich dabei?

Was für eine perfide Handlung, was für ein beklemmendes Gefühl.

Kann uns so viel von einander trennen?





Geschlossene Gesellschaft

Stell Dir vor, die Stadtgrenzen wären zu. Nicht nur für Menschen; auch für Lebensmittel, Wasser, Medizin, Kraftstoff und andere Güter. Krankenhauspersonal. Klopapier. Erinnerst Du Dich an den Lockdown?

Wir können den Wert unserer Freiheit, uns zu bewegen und auszutauschen, nicht überschätzen.


Etappe 6 – Vom Ochsenkopf nach Müschede (12,8/12,8 km)

Etappe 6 zu Fuß auf Komoot
Etappe 6 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Um Wennigloh herum scheint die heutige Stadtgrenze von Arnsberg sich einfach nicht entscheiden zu können, springt hin und her und erscheint aus Sicht einer rein schematischen, schreibtisch-basierten Neuordnung völlig entgegenzustehen. Sicherlich gab es damals gute Gründe, den Flurgrenzen auf diese Art zu folgen. Hachen und Reigern gehören nun zur Stadt Sundern, während Müschede und Wennigloh zur Stadt Arnsberg gehören. Das Tal ist geteilt. Auch der Wald oberhalb von Wennigloh scheint alten Flurgrenzen zu folgen, bevor die Stadtgrenze in Richtung Ochsenkopf klarer über den Bergkamm zu ziehen scheint. Auch der Hellefelder Berg stellt eine natürliche Grenze dar, die schon vor der kommunalen Neugliederung Müschede und Wennigloh trennte.




Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Hier fließen die Grenzen im Bach

Im Bach fließt die Grenze, verläuft sich, fließt einfach weg.

Praktisch, wenn Grenzen in den Flüssen und Bachläufen sind, denn dort muss man sich bei der Grenzziehung nicht um Land streiten. Noch mehr: in der Landschaft sind diese Grenzen klar erkennbar.

Wie lange gibt es diese Grenzen wohl schon, die durch Bäche laufen? Die Ortsgrenze hier war vielleicht schon vorher hier, aber als Teil der Stadtgrenze des Stadtgebiets Arnsberg wurde sie erst 1975 offiziell gemacht.


Ausbruch oder Einbruch

Im Zaun ist ein Loch. Wer hat hier den Aus- oder Einbruch gewagt?



Schranken

Die Stadtgrenze verläuft häufig durch den Wald, aber der Wald an sich ist auch abgegrenzt, zumindest für uns Menschen. Wir scheinen uns selbst in die Schranken weisen zu müssen.



Die Besichtigung der Region

Das Land NRW hatte in den 60er Jahren beschlossen, die Verwaltungsgebiete neu zu definieren. Es gab der Region Sauerland/Padernborn 1973 die Anweisung, dass Kreise auch eigene Vorschläge für die Neuordnung machen sollten. Willenserklärung nannten sie das. Dafür gab es natürlich Vorgaben und Gutachten. Wenn sich Gemeinden auf Vorschläge einigen konnten, die den Vorgaben entsprachen, wurden diese Vorschläge vom Innenministerium bevorzugt. Wenn sich Gemeinden nicht einigen konnten, entschied zuletzt das Land über die Lösung, die durchgesetzt werden würde.

1973 verschickte das Land Fragebögen an die Kreisämter, bestellte Rundreisen durch die Regionen und vergab Anhörungstermine für Gemeinden und Kreise. Es fragte alles ab, das für die Entscheidung über die Neuordnung in den Augen des Innenministeriums wichtig war. Das Land wollte wissen, wie das Leben vor Ort organisiert war und wo sich Gemeinden räumlich hin orientierten – wie sie zusammenhingen, woran es mangelte und für was für eine Entwicklung in der Zukunft dort geplant werden musste. Es war an den Verwaltungen, die Dokumente auszufüllen.

Bei der eintägigen Bereisung des Kreises Arnsberg im Sommer 1973 ging es mit dem Reisebus entlang der Route Wickede (Echthausen) - Voßwinkel - Bachum - Neheim-Hüsten (Hauptstraße) - Neheim-Hüsten (Hüsten Markt) - Neheim-Hüsten (Spreiberg) - Neheim Hüsten (Hüsten Markt) - Bruchhauses - Niedereimer - Arnsberg (Umleitung B7) - Rumbeck - Oeventrop (Kirchstraße) - Wildshausen - Freienohl (Brumlingsen, Wirtschaftsweg auf dem Scheidekopf) - Freienohl (Bahnhof) - Calle (Olpe) - Calle (Berge) - Grevenstein (Gasthof Holländer-Hof) - Altenhellefeld - Hellefeld - Westenfeld - Sundern - Stockum - Allendorf - Altenaffeln (Gasthof Weber) - Affeln - Blintrop - Neuenrade (Küntrop) - Garbeck - Balve - Beckum - Hövel (Gasthof Feldmann) - Estinghausen - Enkhausen - Hachen - Müschede - Neheim-Hüsten - Bachum - Voßwinkel - Wickede (Echthausen, Flugplatz). An sieben Stationen auf dem Weg stiegen Bürgermeister und Stadtdirektoren dazu und wieder aus, um den Herren vom Ministerium ihre Gemeinden zu zeigen.

Beim Halt auf dem Spreiberg oberhalb Hüstens hatte die Reisegemeinschaft einen Blick über das Ruhrtal. Die Neheimer erklärten, sie seien für den Neugliederungsvorschlag des Oberkreisdirektors, der Neheim-Hüsten und Arnsberg zu einer neuen Stadt zusammenschließen wollte. Die Arnsberger sagten stur, sie seien dagegen. Wenn sie sich überhaupt mit den Neheim-Hüsternern zusammentun müssten, dann nur, wenn die neue Stadt von Voßwinkel bis Freienohl ginge. Später beim Halt in Oeventrop sagten die Oeventroper nur dazu, sie wollten mit Arnsberg zusammengeschlossen werden. Die Freienohler bestanden darauf, sich getrennt von den anderen mit den Oevetropern zusammenzutun, weil sie sonst alleine zu Meschede müssten und dort nur eine Randnotiz würden. So ging es den Tag über recht uneins über das Land. Nur die heutigen Sunderner blickten der Neugliederung entspannt entgegen. Sie freuten sich darauf, sich mit mehr Ortschaften zu einer größeren Stadt zusammenzuschließen.

Seite des Strukturfragebogens zum Zweiten Neugliederungsprogramm im Neugliederungsraum Sauerland/Paderborn, als Anhang zu einem Schreiben des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalens u.A. an den Oberkreisdirektoren von Arnsberg vom 12. Januar 1973 (Signatur IA2-56-5805/73), in: HSK 003 (Kommunale Neugliederung), 003 0351, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises



Wanderzeichen

Auch wenn wir uns geografisch und organisatorisch in Einheiten und Größenordnungen geteilt haben, so sind wir doch verknüpft und in Kontakt. Entlang einschlägiger Wege und in beide Richtungen.



Stumme Grenzmarker: Windmühlen

Als Orientierungspunkte im Stadtgebiet stehen in mehreren Richtungen an den Stadtgrenzen Windturbinen. Von hier aus sind die nächsten auf der Hellefelder Höhe zu sehen, zwischen Rumbeck, Oeventrop und Freienohl. Als Orientierungspunkte wachen die Mühlen über die Höhen.



Gleichzeitig nah und in die Ferne schauen

Die Wetter, die ohne jede Kenntnis unserer kleinen Grenzregime über den Planeten hinwegziehen, und der Boden, der unseren Füßen Halt gibt, uns ernährt und dessen Masse uns am Wegfliegen ins All hindert. Die Kontinuität des Systems, dessen grundlegende Teile sie genau wie Wasser und Luft sind, ist absolut. Das ist unsere Welt. Ihr Ausmaß ist schwer zu begreifen für Wesen, die neben diesem Planeten einem Sandkorn gleichen; die an einem Tag noch nicht einmal ihr eigenes Stadtgebiet erkunden können.

Wir können nicht anders, als nur dort zu sein, wo wir wirklich sind. Wir haben uns Werkzeuge erschaffen, die uns reisen lassen, ohne uns zu bewegen: Unser wunderbarer Schatz, die Kommunikation. Sprache, die uns erlaubt, Erfahrungen zu teilen. Uns abzusprechen. Die Wissen speichern kann. Aber das, was uns diese Werkzeuge mitteilen, erfordert unser Vertrauen, denn wir können es nicht unmittelbar selbst erfahren. Es ist zweiter Hand, körperlos. Aber sobald wir etwas so Vermitteltes in uns aufnehmen, wird es zwangsläufig wieder verkörpert. Wir können nicht unbeteiligt sein.



Etappe 7 – Von Müschede nach Kirchlinde (7,21/9,62 km)

Etappe 7 zu Fuß auf Komoot
Etappe 7 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Die Grenzen des heutigen Stadtgebiets Arnsberg verlaufen Richtung Südwesten vom Steinbruch oberhalb Müschedes und dann vom Hömberg aus im Zickzack zwischen den Flurgrenzen ins Tal, um Wettmarsen herum und macht dann einen scharfen Zickzack-Knick gen Nordwesten, nach Eisborn. Der Kreis Arnsberg hatte hier keine Grenzen, denn er umfasste auch Eisborn, Asbeck, Sundern und Balve.



Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Erste Planungen vom Kreis Arnsberg

Der Planungsstab der Kreisverwaltung Arnsberg illustrierte in den frühen 1970er Jahren, welche Gebiete des Kreis Arnsbergs zu einem neuen „Mittelzentrum” werden könnten. Am liebsten das ganze Gebiet. Aber man konnte sich anscheinend auch vorstellen, dass Teile des damaligen Kreises an andere neue Kommunen gehen könnten, so etwa Wickede und Ense oder Freienohl, das Alte Testament und Sundern. Auch gab es zu Beginn Pläne einer urbanen Modernisierung, bei der eine innerstädtische S-Bahn alle Ortschaften zwischen Wickede und Freienohl verbinden sollte.

Visualisierung möglicher Zusammenschlüsse um Neheim-Hüsten und Arnsberg im Zentrum und andere Dokumente in: KrAR 000 (Kommunale Neugliederung), 000 0764, Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises



Was ist das eigentlich, das Stadtgebiet?

Das Wort Kommune bezeichnet eigentlich einfach nur eine Gemeinde, zum Beispiel ein Dorf oder eine Stadt. Das Wort Gemeinde kommt von dem, was uns gemein ist: im Althochdeutschen hieß das ursprünglich das, was wir teilen. Die Gemeinde ist eine Gruppe von Menschen, die aus ähnlichen Interessen zusammenkommt. Das Land, mit dem wir leben, und unsere Verantwortung dafür sind zum Beispiel von uns allen geteilt. Kommunales sind all die Dinge, die zur ganzen Gemeinde gehören. Um diese Dinge herum organisieren wir uns verwalterisch: in Dörfern und Städten, Kreisen und Ländern und schließlich Staaten und Staatengemeinschaften. Diese Zusammenschlüsse sind im Grunde Verträge zwischen uns allen. Verträge, die uns Rechte gewähren und Pflichten auferlegen. Verträge, die zum Beispiel sichergehen sollen, dass wir unsere Lebensgrundlagen aufrecht erhalten und dass alle Menschen gleichberechtigt leben. Zum Beispiel ganz konkret, dass sauberes Trinkwasser fließt, das Stromnetz funktioniert, Abfall abgeholt wird und es genügend Kita-Plätze gibt.

Nicht alle menschlichen und nicht-menschlichen Wesen in unseren Gemeinden haben diese Privilegien. Stellt euch vor, die Ruhr oder der Boden könnten ihre Interessen bei der Stadt Arnsberg selbst vertreten.



Himmel und Erde zugleich sehen

Blicken wir übers Land. Schauen wir tief in unsere Pfützen.


Etappe 8 – Von Kirchlinde zur Bieberstraße (11,7/11,7 km)

Etappe 8 zu Fuß auf Komoot
Etappe 8 mit dem Mountainbike auf Komoot

Kreisgrenze mit Ausblick

Hier treffen sich Märkischer Kreis und Hochsauerlandkreis, Stadt Arnsberg und Stadt Menden. Auch die Gemeindegrenzen vor der kommunalen Neugliederung in den 70er Jahren verliefen schon hierher, aber Asbeck und Eisborn gehörten davor zum Kreis Arnsberg.

Richtung Westen blicken wir heute in den Märkischen Kreis und Richtung Osten in den HSK, mit Windmühlen, die in Richtung Kirchlinde in etwa den Verlauf der heutigen Stadtgrenze von Arnsberg anzeigen.



Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Hier fließen die Grenzen im Bach

Die Grenze des ehemaligen Kreises Arnsberg verlief schon im Dombkebach. Die heutige Grenze der Stadt Arnsberg verläuft immer noch hierher. Wie lange gab es sie wohl schon genau hier?


Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Vögel am Himmel

Zwei Gedanken:

Die komplexeste Technologie, die Bestausgeklügelteste, das ist alles Lebendige auf dieser Welt.

Für Vögel haben diese Grenzen, die wir Menschen gezogen haben, keine Wahrheit, genau wie für Wolken und Wind.




Vom Weg ab (Richtung Norden)

Hier an dieser Stelle könnte man, um nördlich auf den Retringer Weg zu kommen, statt den Umweg über Asbeck zu nehmen, auch erst die Landstraße hoch und dann über die Wiesen laufen. Aber dort ist kein Weg.

Für Vögel haben die Besitz- und Verwaltungsgrenzen, die wir Menschen gezogen haben, null Wahrheit, genau wie für Wolken und Wind. Auch für uns Menschen hat diese Grenze, die da gezogen wird, eigentlich keine Realität im physischen Raum. Außer dass wir wissen, dass sie da ist, und uns gesellschaftlich darauf geeinigt haben, sie zu respektieren. Wir können sie genauso überschreiten wie Tiere, Insekten und Wetter. Die Grenze ist in unserem Kopf.

Als Wandernde stehen wir vor einem Dilemma: Wege befolgen?

Von der Wiese hat man übrigens einen spektakulären Blick in den Märkischen Kreis.



Vom Weg ab (Richtung Süden)

Hier an dieser Stelle könnte man, um südlich zum Klinksberg zu kommen, statt den Umweg über Asbeck zu nehmen, auch erst links zur Landstraße, ein Stück daran entlang den Berg runter und dann über die Wiesen laufen. Aber dort ist kein Weg.

Für Vögel haben die Besitz- und Verwaltungsgrenzen, die wir Menschen gezogen haben, null Wahrheit, genau wie für Wolken und Wind. Auch für uns Menschen hat diese Grenze, die da gezogen wird, eigentlich keine Realität im physischen Raum. Außer dass wir wissen, dass sie da ist, und uns gesellschaftlich darauf geeinigt haben, sie zu respektieren. Wir können sie genauso überschreiten wie Tiere, Insekten und Wetter. Die Grenze ist in unserem Kopf.

Als Wandernde stehen wir vor einem Dilemma: Wege befolgen?

Von der Wiese hat man übrigens einen spektakulären Blick in den Märkischen Kreis.

Stumme Grenzmarker: Windmühlen

Als Orientierungspunkte im Stadtgebiet stehen in mehreren Richtungen an den Stadtgrenzen Windturbinen. Auf diesem Weg kommt die Eisborner Turbine immer wieder in den Blick und zeigt an, von wo oder wohin man wandert. Die Windräder zwischen Kirchlinde und Eisborn stehen direkt an der Stadt- und Kreisgrenze. Sie sind von vielen Punkten des Stadtgebiets aus sichtbar. Als Orientierungspunkte wachen die Mühlen über die Höhen.






Vertrauen

Nicht überall, wo auf der Karte ein Weg eingezeichnet ist, ist aktuell noch ein Weg. Und nicht überall, wo keine Wege eingezeichnet sind, heißt das, dass da wirklich keine Wege sind. Der einzige Weg, es wirklich zu wissen, liegt darin, uns körperlich in den Raum zu begeben und ihn zu erfahren.

Dinge aufzuzeichnen – Sprache – ist ein geniales Werkzeug, um uns kollektiv abzustimmen und Wissen zu speichern und weiterzugeben, aber die Aufzeichnungen sind immer nur Hilfen. Um wirklich zu wissen, wie die Realität ist, muss man selbst dabei sein. Deswegen ist eigentlich alles, was wir kollektiv abstimmen, auf Vertrauen basiert, weil wir ja nicht überall dabei sein können. Die Grundlage unserer Gemeinschaft sind Vertrauensverträge.





Etappe 9 – Von der Bieberstraße zum Haus Füchten (13,9/13,9 km)

Etappe 9 zu Fuß auf Komoot
Etappe 9 mit dem Mountainbike auf Komoot

Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Echthausen gehörte Anfang der 70er Jahre zum Kreis Arnsberg. Als die Kommunen Mitte der 70er Jahre neu geordnet wurden, wurde Echthausen Teil der Stadt Wickede im Kreis Soest. Die Grenze verlief nun also zwischen Voßwinkel und Echthausen. Der Flugplatz Arnsberg-Menden wurde Teil der neuen Stadt Arnsberg.

Als die drei Kreise Arnsberg, Brilon und Meschede 1974 die offiziellen Verhandlungen zum Zusammenschluss im HSK begannen, wurde zunächst nach „Leichen im Keller” der jeweils anderen gesucht. „Gemeint waren kostenträchtige Einrichtungen der Altkreise, die vom neuen Großkreis zu übernehmen waren.” Dazu zählte für Arnsberg „vor allem der defizitäre Flugplatz”.

Heute wird der Flugplatz privat betrieben.

Quelle: Dr. Adalbert Müllmann „Die Verwaltungslandschaft im Hochsauerland verändert ihr Gesicht – die kommunale Neugliederung 1975 und die Entstehung des Hochsauerlandkreises”, in Werden, wachsen, wirken. Vom Wandel der Zeit - Kreisverwaltungen im Hochsauerland von 1817 bis 2007, Arnsberg: Becker Druck, 2007. S. 215.




Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Pfad als Grenze

Auf diesem Pfad verlaufen auch in etwa die Grenzen des Stadtgebiets. Diesen Weg haben wir gemacht – Gassigänger, Wandernde, Schaulustige.



Grenzverlauf Stadtgebiet Arnsberg

Hier trifft der Grenzverlauf wieder mit dem Weg zusammen. Beim Blick ins Tal in Richtung Flugplatz kann das Auge der Stadtgrenze folgen. Entlang der landwirtschaftlichen Grundstücke schlängelt sie sich zum Bachlauf, dem es dann bis zum Schwarzen Weg folgt. Von der Huxmühle bis nach Niederoesbern hat sich am Grenzverlauf hier zwischen dem Kreis Arnsberg vor 1975 und dem Stadtgebiet Arnsberg nach 1975 nichts verändert.


Historische Karte: (Karten- und Plansammlung), GK 52 - Karte 1: Kreis Karte – Kreis Arnsberg. In Pink schraffiert ist die Grenze des damaligen Kreises Arnsberg. In Rot per Hand markierte „Vorstellungen zur Neugliederung Arnsberg, 1969.” Bild: Kreisarchiv des Hochsauerlandkreises.



Grenzenlos über den Wolken

Über den Wolken wird die Freiheit wohl grenzenlos sein.

Für Wolken, Wind, Vögel und Samen haben unsere Grenzen null Wahrheit. Für Tiere, Pilze und Pflanzen existieren höchstens von uns konstruierte Barrieren aus Infrastruktur, wie eine Autobahn, ein durchbetoniertes Industriegebiet oder ein schwer befahrener Forstweg.

Aber gehen wir noch ein Stück weiter: wir sind genau so. Auch für uns hat diese Grenze des Stadtgebiets, des Dorfs oder des Landes, die da gezogen wird, keine Realität. Im physischen Raum. Wir können sie genauso überschreiten wie Tiere und Wetter. Wir tun das die ganze Zeit auf diesem Wanderweg: rüber, wieder rein, rüber, wieder rein. Aber es ist völlig egal. Die Grenze ist nur in unserem Kopf.

Wer müsste es besser wissen als jene, die fliegen, dass Grenzen ausgedacht sind?




Grenze, die die Grenze trennt

Der Wildwald Voßwinkel ist eigentlich ganz interessant, weil er so ein abgegrenztes Gebiet ist, wo wirklich kein Durchgang ist. Man kommt auf der Strecke ja auch öfter an verbarrikadierten Wegen vorbei. Die Grenze innerhalb der Grenze. Die neue Stadtgrenze seit 1975 verläuft da durch. Wie funktioniert das wohl?




Brückensperrung

Hier ist eine Brücke, die „wegen Baufälligkeit” gesperrt ist. Sie ist Teil der Route. Wandernde haben jetzt die Qual der Wahl. Sie müssen entscheiden, ob sie dem Weg folgen.

Bis wohin ist das eine echte Wahl? Man könnte meinen, Wandernde, die ihr Ziel pünktlich erreichen wollten, seien durch die Umstände gezwungen, die Beschränkung zu ignorieren, trotzdem die Brücke zu betreten und das Risiko der eigenen Verletzung und des Verbotenen auf sich zu nehmen. Was wäre, wenn die Umstände so schlimm wären, dass man wirklich keine Wahl hätte?

Würdest Du es riskieren, etwas zu machen, das kriminalisiert ist, wenn Du unbedingt müsstest? Wenn das Wohlergeben Deiner Familie davon abhängt? Wenn Du gar keine andere Wahl hast, weil Du da, wo Du bist, festgenommen, gefoltert oder getötet würdest? Oder gezwungen würdest, Kriegsverbrechen zu begehen?

Wir haben hier noch jeden Tag die Wahl. Man kann die Sperrung umgehen. Das ist eine große Freiheit. Wir sind stark und emanzipiert darin, unsere eigene Entscheidung zu treffen. Es steht jeder Person frei, einen anderen Weg zu gehen. Aber begeben wir uns kurz mal in einen Raum mit diesem ambiguösen Gefühl, uns zu überlegen, ob wir das jetzt machen oder nicht. Die Brücke überqueren oder nicht.



Demut

Auch wenn wir unsere Welt künstlich unterteilt haben, müssen wir sie als kontinuierlich verstehen. Auch wenn wir nicht hingehen können, um es zu sehen – um zu wissen, dass es wahr ist; überall da, wo wir nicht sind, sagt uns doch die Erfahrung, dass die Welt nach uns und vor uns weitergeht, und über uns hinaus.







Kontakt

mail@theresakampmeier.de
Die Rechte für alle Fotografien und Texte liegen bei Theresa Kampmeier, VG Bild-Kunst, Bonn, 2025, sofern nicht anders angegeben.

Förderer

Die Wanderroute „Grenzweg Stadtgebiet Arnsberg” ist eine kommunale Meditation zum Stadtgebiet Arnsberg anlässlich des 50. Jahrestags der kommunalen Neugliederung von 1975. Die Wanderung in zehn Etappen wurde von der Künstlerin Theresa Kampmeier auf Einladung des Kulturbüros Arnsberg



entwickelt im Förderprogramm #ARTinprogress des Kultursekretariat NRW in Gütersloh,



gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.